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Steinbruch am Ölberg
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Der Ölberg bei Schriesheim
Der Ölberg, Schriesheim an der Bergstraße
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Bild: NSG Ölberg Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis)
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Die Bergstraße ist der zur Rheinebene abfallende Westrand des Odenwaldes, der durch zahlreiche in die Ebene austretende Bachtäler und das Neckartal stark gegliedert ist. Ausgedehnte Quarzporphyr-Steinbrüche bei Dossenheim und Schriesheim prägen hier das Landschaftsbild .

Der 1967 stillgelegte Steinbruch am Ölberg bei Schriesheim, der im Übergangsbereich zwischen den Naturräumen Vorderer Odenwald sowie der Bergstraße liegt, ist seit 1998 Naturschutzgebiet und Bestandteil der Natura 2000-Gebietskulisse Baden-Württembergs. Ein Rundweg um den Steinbruchbereich sowie eine Kletterverordnung sorgen dafür, dass Naturschutz und Freizeit hier gleichberechtigt zur Geltung kommen.

 

Steinbruch am Ölberg:
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Übersicht

Steinbruch am Ölberg

 

Quarzporphyrsteinbruch am Ölberg bei Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis)

 
Bild: Der Ölberg  bei Schriesheim
Quarzporphyr Steinbruch bei Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis) im Jahr 1984
(© LUBW, Autor: M. Schöttle)

Im Naturraum Bergstraße gelegen, ist dieser Steinbruch eine markante, weit sichtbare Erhebung am östlichen Rand der Nördlichen Oberrheinebene. Der Gesteinsabbau hat hier im Jahr 1880 begonnen. Der säulenartig anstehende Quarzporphyr (Rhyolit) fand hier überwiegend Verwendung im Straßenbau und als Gleisschotter. Der Abbau wurde 1967 eingestellt. 1998 wurde der Steinbruch am Ölberg als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen.

 
Bild: Steinbruch am Ölberg, Schriesheim, Rhein-Neckar-Kreis
Säulenartig anstehender Quarzporphyr am Ölberg
(© LUBW, Autor: C. Ritter)

Anstehender Quarzporphyr - ein rotbraun-violettes kantig brechendes, sehr hartes Gestein.

 
Bild: Gleisschotter, Quarzporphyr
Zerkleinerte Quarzporphyrbrocken, idealer Gleisschotter
(© privat, Autor: M. Linnenbach)

Der widerstandsfähige Quarzporphyr eignet sich bestens als Unterlage für Gleise und Strassen.

Der durch vulkanische Aktivität entstandene Quarzporphyr (syn. Rhyolith) findet sich in Baden-Württemberg sowohl im Vorderen Odenwald nördlich von Heidelberg als auch im Nordschwarzwald in der Oberkarbon-Rotliegendsenke von Baden-Baden, in der sog. "Badener Mulde". Das Gestein formt auch Schlote wie den Wachenberg bei Weinheim. Am Fuß des Ölbergs tritt der granitische Grundgebirgssockel des Odenwalds zu Tage.

An den Westhängen des Vorderen Odenwalds zwischen Dossenheim und Weinheim wird Quarzporphyr über lange Zeiträume intensiv und großflächig abgebaut. Am Wachenberg bei Weinheim läuft der Betrieb heute noch. Der kommerzielle Abbau in Schriesheim begann um 1880 an der Nordflanke des Ölbergs. Bereits nach wenigen Jahren wechselte das Abbaugeschehen an den südwestlichen Teil des Bergs. Schon 1920 war der Steinbruch bis an den steilen Gipfel herangerückt. Im Übereifer fällt durch Sprengarbeiten der Gipfelfelsen zum Opfer, wie auch die Fundamente mehrerer keltischer Ringwälle am Nord-West-Grat.

In den nachfolgenden Jahrzehnten entsteht die heutige Form des Steinbruchs, der gegliedert in 5 Terrassen (Bermen) große Teile des Westhanges der Bergkuppe einnimmt. 1950 wird zwischen Gemeindevertretern und der Abbaufirma eine Vereinbarung getroffen: Die Porphyrwerke dürfen die Umrisslinie des Ölbergs nicht weiter verändern. Die 5. Terrasse wird daraufhin nicht weiter abgebaut, der Abraum bleibt liegen, um eine spätere Aufforstung zu ermöglichen.

Die Erschließung des inzwischen großräumigen Steinbruchgeländes erfolgt  über eine ca. 1,5 km lange Luftseilbahn, die einen Höhenunterschied von ca. 200 m überwindet und das vorgebrochene Gestein zur Talstation, dem Standort des Schotterwerkes transportiert. Dort wird der Porhyr zu Edelsplitt Schüttsteinen und Rüttelschotter weiterverarbeitet und per Bahnlinie (OEG) nach Heidelberg abtransportiert. Heute sind die Förderanlagen abgebaut, nur noch vereinzelt lassen sich Überreste des Steinbruchbetriebes auf dem Gelände erkennen.

Das harte, saure Porphyrgestein (hohe Anteile an SiO2) findet vielfach Verwendung im Straßen- und Wegebau (z. B. als Schotter- und Pflasterstein). Die gröberen Brocken werden als Gleisschotter, die mittelgroßen Steine für Straßen und die Feineren für Fußwege verwendet. Die aufwendige Gewinnung und der leicht verfügbare, preiswerte Beton haben den Quarzporphyr heutzutage weitgehend vom Markt verdrängt.

Nach einem Großbrand im Schotterwerk 1967 wird der Betrieb nicht wieder aufgenommen. Zurück bleibt ein schützenswerter Lebensraum (seit 2004 Teilfläche des FFH-Gebiets "Odenwald bei Schriesheim" und des Vogelschutzgebiets "Bergstrasse Dossenheim-Schriesheim") sowie eine der markantesten Erhebungen der badischen Bergstraße, die insbesonders in der Abendsonne durch ihren rötlich-goldenen Glanz weit sichtbar ist.

Kartenansicht - google.maps