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Vogelherdhöhle bei Niederstotzingen
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Vogelherdhöhle
Die Vogelherdhöhle - mittlerer Verbindungsgang
(Element 1 von 6: Bild)
Bild: Vogelherdhöhle
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Die beiden 2,5 m und 3,5 m hohen Höhlenportale sind durch einen ca. 40 m langen und ca. 2,50 m hohen Felsengang miteinander verbunden. Der Deckenbereich des Weiß-Jura Gesteins ist an vielen Stellen rußgeschwärzt. Diese Spuren stammen nicht aus prähistorischer Zeit! (Aufn. 2008)

 

Vogelherdhöhle bei Niederstotzingen:
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Übersicht

Vogelherdhöhle bei Niederstotzingen

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UNESCO Welterbe Vogelherdhöhle im Lonetal

 
Bild: Vogelherdhöhle (Lonetal-Härtsfeld)
Vogelherdhöhle im Lonetal (Ldkr. Heidenheim)
(© LUBW, Autor: C. Ritter)

Die ca. 40 m lange Höhle bei Niederstotzingen-Stetten liegt an einem ehemaligen Umlaufberg der Lone.Die prägenden Gesteinformationen bestehen aus Massenkalken des Weißen Jura. Entdeckt wird sie im Jahr 1931 durch den Heidenheimer Heimatforscher Hermann Mohn. Bis dahin war die Höhle vollständig mit Jurakieseln, Schlamm und Bodensubstrat (Humus) verfüllt und in der Landschaft nicht erkennbar.

Die Vogelherdhöhle wurde über längere Zeiträume immer wieder von Menschen bewohnt. Belegt ist dies durch archäologisch wertvolle Funde wie z.B. Steinzeitwerkzeuge und Elfenbeinschitzereien (Höhlenlöwe, Wildpferd, Mammut). Die Fundstücke befinden sich heute im Schloßmuseum Hohentübingen. Mehrere Schautafeln informieren vorort über die kulturhistorische Bedeutung der Höhle.

Heutzutage hinterlassen hier Menschen häufig weniger nützliche Dinge. Die Installation eines Müllbehälters stört den Gesamteindruck des Kulturdenkmals erheblich, dennoch ist diese Maßnahme aufgrund der hohen Besucherzahlen absolut notwendig (Aufn. Mai 2008)

 
Bild: Vogelherdhöhle, innen
Vogelherdhöhle, Eingangsbereich Innenansicht
(© LUBW, Autor: C. Ritter)
 
Bild: Höhlenlöwe, Figurine
Höhlenlöwe, eiszeitliche Figurine aus der Vogelherdhöhle bei Stetten o.d. Lone
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Der Höhlenlöwe (Replik), eine Figurine aus der Vogelherdhöhle bei Stetten o.d. Lone (Ldkr. Heidenheim). Die Flanken des kleinen Kunstwerks aus Elfenbein tragen auffällige Verzierungen mit Kerbkreuzen.

Das Original befindet sich im Museum Schloss Hohentübingen in Tübingen.

  • Länge: 5,6 cm
  • Alter: ca. 35.000 Jahre

Vor ca. 10.000 Jahren, mit Ende der letzten Eiszeit, sterben Großwildtiere wie Wollhaarmammut, Höhlenlöwe, Riesenhirsch und Steppenwisent in Mitteleuropa aufgrund der klimatischen Veränderungen aus. Die Menschen müssen nun ihre Nahrung auf Kleinwild, Fische und Pflanzenkost umstellen. An Standorten mit gutem Boden und mildem Klima entstehen die ersten Siedlungen. Höhlen als Wohnstätte des Menschen verlieren damit weitgehend an Bedeutung. Sie geraten in Vergessenheit und verschwinden im Laufe der Zeit unter Vegetation und Bodeneintrag.

Im Bodenaushub eines Dachsbaus entdeckt der Heidenheimer Heimatforscher H. Mohn im Mai 1931, nahe der Ortslage Stetten, ungewöhnlich geformte Gesteinsbrocken, die Hinweise auf eine verschüttete fossile Lagerstätte geben. Nach Rücksprache mit Fachkollegen beginnt man an der Fundstelle noch im gleichen Jahr mit ersten Probebohrungen. Der Verdacht auf einen fossilen Fundpunkt gestoßen zu sein, bestätigt sich durch das Auffinden von sog. Retoucheuren (= steinzeitliche Werkzeuge aus Knochen und Zähnen). Noch im selben Jahr werden die 20 Meter über dem Talgrund der Lone liegenden Gesteinshohlräume der Vogelherdhöhle durch Mitarbeiter des Tübinger Instituts für Urgeschichte unter Leitung von Professor Gustav Riek (1900 - 1976) vollständig freigelegt.

In dem geborgenen Bodenmaterial finden sich zahlreiche Zeugnisse von Menschen, die hier vor 28.000 bis 100.000 Jahren siedelten. Hinzu kommen unzählige Knochenreste eiszeitlicher Tierarten (Mammut, Höhlenlöwe), die vor Ort bejagt und verzehrt wurden. Der Höhlenfund auf der Schwäbischen Alb liefert insgesamt die bislang wichtigsten und aufschlussreichsten Belege für die Lebensverhältnisse des Menschen während des Pleistozäns (Eiszeitalter).

Schon bei der Freilegung der Vogelherdhöhle werden neben zahlreichen steinzeitlichen Werkzeugen und Knochenresten rund ein Dutzend fein geschnitzter Figurinen aus Elfenbein geborgen. Die kleinen Kunstwerke zeigen meist Darstellungen eiszeitlicher Tierarten. Sie sind ca 40.000 Jahre alt. Einige besitzen kleine Ösen und wurden offensichtlich von den Menschen damals am Körper getragen. Die von Gustav Riek entdeckten und beschriebenen Figurinen gehören zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit. Die Originale sind zum Teil im Museum Schloss Hohentübingen sowie im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart ausgestellt. Die aktuellen Forschungen an der Vogelherdhöhle werden nach wie vor vom Institut für Ur- und Frühgeschichte Tübingen, unter der Leitung von Professor Nicholas Conard weitergeführt.

Angespornt durch die ungewöhnlich hohe Anzahl der Fundstücke, ging man 1931 bei den Ausgrabungsarbeiten sehr zügig voran. Heute weiß man, dass bei der damaligen Ausgrabung wohl einiges übersehen wurde bzw. nicht beachtet wurde. So konnten 2006 aus den im Jahr 1931 ausgeräumten Höhlensedimenten vier weitere Kleinskulpturen geborgen werden: Darunter ein aus Mammut-Elfenbein geschnitztes Abbild eines Mammuts, mit einem Gewicht von 7,5 Gramm und einer Länge von 3,7 cm. Weitere wichtige altsteinzeitliche Fundstellen im Lonetal sind der Hohle Fels bei Schelklingen (Fundstätte: Venus von der Alb), die Kleine Scheuer sowie die Fohlenhaus-Höhle bei Bernstadt.

Am 09. Juli 2017 wird die Vogelherdhöhle neben weiteren Höhlen auf der Schwäbischen Alb in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Das 900 Seiten umfassende Antragsdossier wurde vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg erstellt. Anfang 2016 hat die Bundesrepublik Deutschland den Antrag offiziell bei der UNESCO eingereicht.

Übersicht:

1 UNESCO Welterbe Vogelherdhöhle im Lonetal