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NSG Der Rutschen
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NSG Rutschenfelsen bei Bad Urach
Der Rutschenfelsen
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Bild: NSG Rutschen (Ldkr. Reutlingen)
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Am 19. Oktober 1983 wird der Rutschen als 100. Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Tübingen amtlich anerkannt.

NSG Der Rutschen:
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Übersicht
 

Naturschutzgebiet "Der Rutschen" bei Bad Urach

 
Bild: NSG Rutschen
Naturschutzgebiet Rutschen (Ldkr. Reutlingen)
(© LUBW, Autor: G. Albinger)

Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 350 ha. Bedeutender Lebensraum mit landschaftsprägender Felsengruppe von 600 m Länge, 60 m Breite und über 40 Höhenmeter in den Oberen Felsenkalken des Weißjura ε. Trockenwarme bis humide Laubmischwaldgesellschaften, Trockenrasen- und Mauerfugengesellschaften; Lebensräume seltener Insekten, Fledermäuse sowie felsbewohnender Vogelarten.

In der näheren Umgebung finden sich historisch bedeutende Plätze, wie eine Alamannensiedlung auf dem Runden Berg oder das erloschene Kloster Güterstein.

 
Bild: Uracher Wasserfall, Bad Urach
Uracher Wasserfall, Bad Urach (Ldkr. Reutlingen)
(© LUBW, LGRB, Autor: Huth)
In einem Seitental des Ermstals befindet sich der Uracher Wasserfall, der wohl schönste Wasserfall der Schwäbischen Alb. Auf dem Weg durch die verkarsteten Kalkbänke nimmt das kohlensäurehaltige Regenwasser Kalk auf, der beim Austritt des Quellwassers an die Luft und beim Aufprall der Wassertropfen unterhalb des Falls wieder ausgeschieden wird. Naturdenkmal

Das Naturschutzgebiet liegt am Trauf der Schwäbischen Alb zwischen Reutlingen und Göppingen im Naturraum Mittlere Kuppenalb. Es erstreckt sich vom „Runden Berg" bei Bad Urach bis zum „Sonnenfels" oberhalb von Dettingen/ Erms und umfasst mehrere landschaftlich bedeutende Naturdenkmale wie z.B. den Uracher Wasserfall, den Rutschenfelsen, die Höllenlöcher sowie Sonnenfels und Gelber Fels. Eine Besonderheit stellt dabei die steile, fast 90 m Albtraufkante der "Rutschenfelsen" dar. Die hier anstehenden Felsenkalke (Weißjura ε = epsilon) bilden gewissermaßen die geologische Stufe der Mittleren Kuppenalb. Der Weißjura ε ist in weiten Teilen der Albhochfläche in einer Schwamm-Algen-Fazies (sog. Massenkalke) ausgebildet, hier aber stehen dickbankige Quaderkalke oder geschichtete Felsenkalke, mit einer Mächtigkeit bis zu 120 m an, in deren untersten Schichtung sich ein Quellhorizont formiert hat. Eine dieser Quellen speist den bekannten Uracher Wasserfall.

Die benachbarten Gütersteiner Wasserfälle sind auf die gleiche Weise wie der Uracher Wasserfall entstanden. Auch hier hat sich eine eine ca 25 m breite  und 120 m lange Kalktuffterrasse gebildet, die immer wieder durch den ehemaligen Abbau des Tuffgesteins für den Bau von Gebäuden reduziert wurde. Die unteren Quellaustritte des Wasserfalls dienen heute der Versorung des Gütersteiner Hofs. Einst stand hier ein Kloster (Kartause Güterstein). Seine Geschichte reicht bis in das Mittelalter zurück. Das auf der Albhochfläche angesiedelte Areal ist mit 750 m Meereshöhe vorzugsweise Grünland und dient heute der Pferdezucht. Direkt bei Bad Urach liegt auch die Falkensteiner Höhle. Mit über 4 km erforschten Höhlengängen ist sie eine der längsten Höhlen Deutschlands.

Das dichte Beieinander sehr unterschiedlicher landschaftlicher Elemente bietet eine Vielzahl verschiedenster Lebensräume, die von südexponierten Felsstandorten (Xerotherm-Biotopen) bis zu schattigfeuchten Standorten mit hoher Boden- und Luftfeuchtigkeit  (Schluchten und Höhlen) reichen. Dies bedingt eine artenreiche Flora und Fauna. Die Vegetation läßt sich in 15 verschiedene naturnahe Pflanzengesellschaften gliedern. Für manche Pflanzen stellen die schwer erreichbaren Felsen Reliktstandorte seit der letzten Eiszeit dar.

Die steilen Felsen des Albtraufs mit ihren zahlreichen Nischen und Höhlen  bieten der Vogelwelt gut geschützte Nistplätze. Wanderfalke und Rotmilan sind vorort konstant als Brutvögel vorhanden. Als seltene Durchzügler finden sich zeitweise der Mauerläufer, der Wespenbussard und Alpenbraunelle ein. Mit relativ hoher Bestandsdichte erscheint  auch die Dohle am Rutschenfelsen. Sie ist mit 70-80 Paaren als größte Brutkolonie Baden-Württembergs hier vertreten. Entomologisch von Bedeutung ist der in Südwestdeutschland nur reliktisch vorkommende Alpenbock (Rosalia alpina).

Das Naturschutzgbiet "Der Rutschen" zählt seit 2005 zur FFH-Gebietskulisse ''Uracher Talspinne'' (Gebietsnr.: 7522341) und seit 2008 zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb.