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Grindenschwarzwald und Enzhöhen
Huzenbacher See (Ldkr. Freudenstadt) - Blick von der Karwand (2006)
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Bild: Huzenbacher See (Bild 2)
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Der Huzenbacher See ist als sog. Karsee in der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) entstanden. Das ca. 8 m tiefe Gewässer wurde über einen längeren Zeitraum von der Murgschifferschaft (= Handelsgesellschaft: Holzfäller, Flößer, Sägewerksbesitzer) als Schwallgewässer für die Flößerei genutzt . Das vorort aufgestaute Wasser wurde je nach Bedarf in den Seebach eingeleitet, um geschlagenenes Holz (meist Stämme) in das Murgtal zu transportieren. Von dort aus gelangten die zu Flößen zusammengebundenen Baumstämme über die Murg in den Rhein bis nach Mannheim. Die Flößerei verlor erst nach dem Bau der Murgtaleisenbahn um 1900 ihre Bedeutung.

(Aufnahme: 30.6.2006).

Schwarzwald:
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Schwarzwald: Grindenschwarzwald, Enzhöhen

 

Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen

 
Bild: NSG Hornisgrinde-Biberkessel
Naturschutzgebiet Hornisgrinde-Biberkessel (Ortenaukreis)
(© Autor: RP Freiburg)

Naturschutzgebiet Hornisgrinde-Biberkessel mit Hochmoorflächen auf Mittlerem und Unterem Buntsandstein. Das Schutzgebiet hat eine Größe von rund 95 ha. Der Jahresniederschläge betragen hier im Mittel 2.100 mm. Das Naturschutzzentrum Ruhestein koordiniert hier die Pflege- und Biotopmassnahmen.

 
Bild: Wilder See - Hornisgrinde
Wilder See - Hornisgrinde (Ldkr. Freudenstadt)
(© RP Ka, RP S, Autor: R. Wolf)

Altes, naturbelassenes Waldgebiet im Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen. Es umfaßt den in einem Kar gelegenen Wilden See und die Waldbestände (Bannwald) oberhalb der 900-m-Linie  sowie die weiten, nahezu baumfreien alten Weideflächen des Seekopfes, des Altsteigerkopfes und der Hornisgrinde. Der Wilde See (Karsee) hat sich in der letzten Eiszeit tief in den Buntsandstein eingebettet. Er eine Fläche von 2,4 ha, eine Tiefe von 11,5 m und entwässert über die Schönmünz zur Murg.

Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 766 ha, ein schließlich eines besonderen Banngebietes von rd. 469 ha (Bann- und Schonwald gem. LWaldG § 32). Seltene Tierarten in der Umgebung des Wilden Sees sind z. B. der Sandlaufkäfer, der Sperlingskauz und der in den 1980er Jahren noch als ausgestorben geltende Dreizehenspecht. Das Naturschutzzentrum Ruhestein koordiniert für das Gebiet die Pflege- und Schutzmaßnahmen.

 
Bild: Lotharpfad (Ldkr. Freudenstadt)
Der Lotharpfad am Schliffkopf
(© NAZ Ruhestein)

Der "Lotharpfad" macht die Sturmwurffläche am Schliffkopf über Stege und Holztreppen zugänglich.

Begehen Sie den Lotharpfad niemals bei Gewitter, Glätte oder starkem Wind!

Der Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen bildet das Kernstück des Nordschwarzwaldes und wird durch die Stufe des Oberen und Mittleren Buntsandsteins bestimmt. Es ist die waldreichste und am geringsten besiedeltste Landschaft im Schwarzwald. Das Gebiet ist durch hohe Niederschlagsmengen (bis über 2000 mm/Jahr), Hochmoorbildung auf den Höhen (z.B. das Wildseemoor) sowie eine Dominanz der Fichte in den Wäldern geprägt. Die Besiedelung beschränkt sich im Wesentlichen auf die Täler.

Der Grindenschwarzwald erhebt sich als bis zu 200 m hohe Stufe des Buntsandsteins am Westrand des Naturraumes, der vom Kniebis bis zur Hornisgrinde reicht und nach Norden in einzelne Kuppenbereiche aufgelöst ist (z.B. Schliffkopf, Hoher Ochsenkopf). Auf den Bergkuppen dieses Buntsandsteinplateaus sind die sog. Grinden (schwäbisch = Kahler Kopf) anzutreffen. Sie sind durch Brandrodung mit anschließender Beweidung und Streunutzung der niedergebrannten Waldflächen entstanden. Die Bergheiden sind das charakteristische Element des Grindenschwarzwaldes.

Auf den Hochflächen setzte durch den ständigen Nährstoffentzug sowie des Niederschlagsreichtums (über 2.000 mm pro Jahr) Moorbildung ein. Vom Stufenrand zum Oberrheingraben aus, der in weiten Teilen über 1.000 m liegt, sind weite Ausblicke in den Nördlichen Talschwarzwald und in die Oberrheinebene möglich. Nach Osten löst sich die Hochfläche in lange Höhenrücken auf. Wo die Täler das kristalline Grundgebirge erreichen, hat sich zwischen Deckgebirge und Grundgebirge eine Gebirgsterrasse ausgebildet.

Die östlich an den Grindenschwarzwald anschließenden Enzhöhen sind nicht so stark zertalt. Hier herrschen Missen und Hochmoore vor. Missen sind noch mineralbodenbeeinflußte, flachgründige Vermoorungen unter Wald (Waldmoore). Die Hochflächen des Naturraums sind deutlich durch die Eiszeit geprägt. An den ost- und nordostexponierten Talhängen treten Kare auf, die zum Teil wassergefüllt sind (z.B. Schurmsee, Huzenbacher See). Kare sind große Mulden, die während der Vereisungsperioden des Schwarzwaldes von Hängegletschern an den Talflanken nahezu kreisförmig ausgehobelt wurden. An ihren Hängen finden sich heute steile Buntsandstein-Blockhalden.

Der Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen zählt zu den wichtigsten Gebieten mit hoher Ferien- und Kurerholungsnachfrage (Heil- und Luftkurorte). Die große Zahl der Besucher stellt insgesamt eine Belastung der Natur dar. Daher wurden viele Wanderwege und Loipen aus sensiblen Bereichen verlegt. Mit Hilfe der naturschonenden Besucherlenkung wurde vor allem der Westweg des Schwarzwaldvereins saniert und durch Sitzbänke, Informationstafeln und Aussichtspunkte aufgewertet.

Mehrere Naturschutzgebiete des Grindenschwarzwalds (u.a. NSG Hornisgrinde-Biberkessel, NSG Schliffkopf) werden seit 2002 im Rahmen des Life-Natur-Projekts der EU unterstützt. Auf 2.400 ha sollen Lebensräume von europäischer Bedeutung (z.B. Karseen, Bergheiden, Hochmoore) und deren seltenes Arteninventar (z.B. Auerhuhn, Dreizehenspecht, Haselhuhn und Sonnentau) besonders geschüzt und gepflegt werden.

An der Schwarzwaldhochstraße, nahe dem Schliffkopf, kann man den natürlichen Prozess der Wiederbewaldung - auf einer Sturmwurffläche so groß wie 10 Fußballfelder - beobachten. Seit 2003 führt hier der Lotharpfad führt über gezimmerte Stege, Treppen und Leitern aus Holz über umgestürzte und entwurzelte Bäume, die nach dem gleichnamigen Orkan nicht abgeräumt wurden.

Life Projekt Grindenschwarzwald