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NSG Wagbachniederung
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Wagbachniederung
Wagbachniederung, Flachwasserzonen mit Schilf und Röhricht
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Bild: Wagbachniederung, Ldkr. Karlsruhe
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Ausgedehnte, verschilfte Flachwasserzone im Bereich der Gemarkung Grabenstücker (Naturschutzgebiet).

NSG Wagbachniederung:
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Übersicht
 

Naturschutzgebiet Wagbachniederung - Vom Klärgebiet zum Schutzgebiet

 
Bild: NSG Wagbachniederung
Naturschutzgebiet Wagbachniederung (Ldkr. Karlsruhe)
(© LUBW)

Die Wagbachniederung ist ein vielfältig strukturiertes Feuchtgebiet in der Randniederung der Rheinaue mit großen Schilfbeständen, ausgedehnten Schlammflächen sowie Reste eines früher bedeutenden Niedermoores. Brutstätte vom Aussterben bedrohter Vogelarten und zugleich ein wichtiger Rast- und Nahrungsplatz für Zugvögel. Das Schutzgebiet  hat eine Größe von ca. 223 Hektar.

 
Bild: NSG Wagbachniederung, Zuckerfabrik, Ldkr. Karlsruhe
Stillgelegte Zuckerfabrik Waghäusel
(© B. Grießmann)

Die Zuckerfabrik Waghäusel war von 1837 bis 1995 nahezu 150 Jahre in Betrieb. Am 21. Juni 1849 fand auf dem Fabrikgelände der entscheidende Kampf des badischen Revolutionsheers gegen die Preußen statt, die aus dem Kampf letztendlich als Sieger hervorgingen.

 
Bild: Bisamratte, Wagbachbachniederung
Bisamratte (Ondatra zibethicus) in der Wagbachniederung
(© M. Auer)

Bisamratten sind in den flachen Gewässern der Wagbachniederung recht häufig.

 
Bild: Waghäusel (Ldkr. Karlsruhe)
Eremitage Waghäusel, Gustav-Struve-Allee (Aufn. 2012)
(© M. Linnenbach)

Haupteingang der Eremitage, einem achteckigen Schlossbau mit vier Flügeln. Gebaut für den Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn (Bistum Speyer) neben der Marienwallfahrtskirche. Erbaut 1724 von Johann Michael Ludwig Rohrer und ab (etwa) 1737 von Johann Balthasar Neumann (1687-1753) erweitert.

Ab 1837 dient die säkularisierte Eremitage als Verwaltungsgebäude des Unternehmens "Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation", später Südzucker AG. 1997 verkauft die Südzucker AG das Schlossareal an die Stadt Waghäusel. Danach wird das denkmalgeschützte Ensemble mit Zuschüssen des Landes Baden-Württemberg umfassend saniert sowie die meisten Fabrikgebäude der stillgelegten Zuckerfabrik abgerissen. Heute dient das ehemalige Jagdschloss als Ausstellungsraum und Archiv des Landes Baden-Württemberg.

Das 1983 ausgewiesene Naturschutzgebiet Wagbachniederung liegt zwischen Mannheim und Karlsruhe auf der rechten Rheinseite. Namensgebend ist der Wagbach, der die 223 ha große Schutzgebietsfläche durchfließt und bei Altlußheim in den Rhein mündet.

Das Schutzgebiet ist Teil einer ehemaligen Rheinschlinge, die vor ca. 8.000 Jahren auf natürliche Weise vom Hauptstrom abgetrennt wurde. Mit fortschreitender Verlandung des Altwassers entwickelt sich im Laufe der Zeit ein ausgedehntes 700 ha großes Niedermoor, das mächtige Torflagen von bis zu 4 Meter Dicke ablagert. Die umliegegenden Ortschaften wissen dies zu schätzen und bauen bis ca. 1830 in der Wagbachniederung großflächig auf über 100 ha Torf ab. Als Brennstoff und Heizmaterial ist der Rohstoff zu dieser Zeit gefragt.

Mit der Gründung des Unternehmens "Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation" im Jahr 1837, setzt ein grundlegender Wandel der Landschaft bei Waghäusel ein. Das barocke Schloss, die Eremitage, einst im fürstbischöflichen Besitz, wird zum Verwaltungsgebäude des neu gegründeten Unternehmens. Die ersten Produktionsgebäude für die Zuckerherstellung entstehen im ehemaligen Ökonomiehof. Im Lauf der Jahre müssen alle barocken Wirtschaftsgebäude den neuen Industriebauten weichen. Zwischen den Fabrikanlagen bleiben nur der Eremitage-Hauptbau sowie die Kavalierhäuser, die nun als Werkswohnungen dienen, erhalten. Die weitläufige sternförmige Parkanlage der Eremitage wird vollständig gerodet und erschlossen. Im Norden, in der Wagbachbachniederung, werden Dämme errichtet. Es entstehen großflächige Klär- und Absetzbecken zur Reinigung der Rüben. Das Wassermanagement erfolgt über die Wagbachschleuse an der Marienwallfahrtskirche.

Auch die Infrastruktur unterliegt dem Wandel. Mit Errichtung der Industriegebäude wird eine Verkehrsanbindung erforderlich. In den Anfängen werden die Zückerrüben (Beta vulgaris) zunächst durch Pferde- und Leiterwagen aus dem näheren Umfeld von Waghäusel angeliefert. Ab 1870 kommen die Rüben aus allen Landesteilen über ein Nebengleis der Großherzoglichen Staatsbahn in Höhe der heutigen Louis-Schuler-Straße, direkt ins Werk. Auf dem Gelände der Zuckerfabrik selbst entsteht in den Folgejahren eine komplexe Gleisanlage, die die einzelnen Produktionsstätten wie Rübenmühle, Trockenschnitzellager und Raffinerie miteinander verbindet. Nach dem 2. Weltkrieg bekommt die Bahn Konkurrenz. Immer häufiger übernehmen nun LKW über die neue Trasse der B 36 den Transfer von Rüben und fertiggestelltem Zucker.

Aufgrund der umfangreichen Eingriffe in Natur und Landschaft verschwinden mit der Zeit die meisten der bislang ansässigen moortypischen Tier- und Pflanzenarten. Ab 1983 entspannt sich die landschaftliche Situation der Wagbachniederung, als das Gelände unter Schutz gestellt wird und 1995 das Werk der Süddeutschen Zucker AG den Betrieb einstellt. Danach entwickelt sich eine der größten naturnahen Schilfflächen im Regierungsbezirk Karlsruhe, die für zahlreiche Wasservogelarten einen bedeutenden Rast- und Brutplatz darstellt. Die ehemaligen Gewerbeflächen, einschließlich der Eremitage, werden der Stadt Waghäusel für den symbolischen Kaufpreis von 1,- DM veräußert.

Rund 14 Amphibienarten leben hier, darunter auch der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch (Rana arvalis). Ausreichend Nahrung finden auch Reptilien, wie Ringel- und Schlingnatter. Mit Sumpfspitzmaus, Bisamratte und dem aus Südamerika stammenden Nutria (Sumpfbiber) beherbergt das Gebiet auch interessante Säugetierarten.

Die Vegetation ist durch kalk- und stickstoffreiche Böden geprägt. Durch die Nutzung als Klärgebiet sind die meisten Pflanzenarten, die typisch für die Niedermoorvegetation sind, ausgestorben. Einige Röhrichtarten und Großseggen haben die intensive Nutzung jedoch überdauert. Zur Verbesserung der Vegetationsentwicklung werden die Teiche der Wagbachniederung bewässert. Dazu wurde 2004 ein spezielles Bewässerungssystem eingerichtet, das die getrennte Steuerung der Wasserstände in den verschiedenen Teichen zulässt. Dadurch soll  die Situation für die Wasservögel verbessert und die fortschreitende Verbuschung gestoppt werden.