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NSG Schliffkopf
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Naturschutzgebiet Schliffkopf
Der Schliffkopf an der B 500 (Ldkr. Freudenstadt)
(Element 1 von 21: Bild)
Bild: Schliffkopf, Sturmwurfflächen,
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Windwurffläche am Schliffkopf in Höhe des Lotharpfads.

Im Dezember 1999 fegte hier das Orkantief "Lothar" über die Schwarzwaldhochflächen. Am Feldberg im Schwarzwald traten am 26.12.1999 Winde bis 130 km/h sowie eine Bö von 212 km/h auf. Dabei wurde das Windmeßgerät beschädigt, sodass während des Maximums des Orkans, keine Werte registriert werden konnten. In den Wochen nach dem Sturm kamen während der Aufräumarbeiten zahlreiche Menschen zu Tode, die bei Holzbergungsarbeiten von den unter Spannung stehenden Baumstämmen erschlagen wurden.

NSG Schliffkopf:
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Übersicht

NSG Schliffkopf

 

Naturschutzgebiet Schliffkopf im Nationalpark Schwarzwald (Ldkr. Freudenstadt)

 
Bild: NSG Schliffkopf (1989), Luftbild, Nationalpark
Hochfläche des Naturschutzgebiets Schliffkopf
(© LUBW, Autor: R. Steinmetz)

Naturschutzgebiet Schliffkopf - als Schutzgebiet seit 1938 ausgewiesen. Erweiterung und Neuverordnung im Jahr 1986 durch das Regierungspräsidium Karlsruhe. Heutige Flächengröße ca. 1.357 ha. Seit dem 08. September 2013 zählt das Schutzgebiet auch zur Gebietskulisse des Nationalparks Schwarzwald.

Sehenswürdigkeiten: Bergheiden, Moorflächen, Blockhalden, Lotharpfad und Buhlbachsee (Karsee) mit Schwingraseninsel. Die Hochfläche zwischen Hornisgrinde und Kniebis stellt auch eine Wasserscheide dar. Hier finden sich die Quellgebiete von Acher, Murg und Rench.

 
Bild: Grinden, Grindenschwarzwald
Typische Grindenlandschaft im Nordschwarzwald
(© NAZ Ruhestein)

Typische Grindenlandschaft mit Feuchtheiden und Bergkiefern. Die Hochflächen wurden früher als Weide genutzt, heute koordinniert hier das Naturschutzzentrum Ruhestein die Pflegemaßnahmen.

 
Bild: Blockschutthalde, Buntsandstein, Schliffkopf
Buntsandstein-Blockschutt
(© LUBW, Autor: C. Ritter)

An Hängen und Böschungen, wo der Boden den Blick auf den geologischen Untergrund freigibt, finden sich die durch Eis zerborstenen Buntsandsteinblöcke, die das Hochplateau des Schliffkopfs bilden (Deckgebirge).

Der 1.054 m ü.NN. gelegene Schliffkopf, im Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen, ist ein durch Wind und Eis geformter Höhenrücken, mit geologischem Untergrund aus Buntsandstein. Die nach Westen ansteigende Buntsandsteindecke steht hier mit einer Mächtigkeit von bis zu 200 m an.

Die kargen, anmoorigen Hochflächen (Grinden) auf dem Schliffkopf sind schon seit 1938 als Schutzgebiet ausgewiesen. Während der letzten Eiszeit herrschten hier an den steilen, felsigen Hängen große Temperaturunterschiede. Intensive Sonneneinstrahlung bei Tag und strenger Frost bei Nacht. Das Schmelzwasser, das tagsüber in die Gesteinritzen eindrang, sprengte tiefe Klüfte und Spalten in die Felsoberflächen. So entstanden im Laufe der Zeit einzelne, losgegelöste Felsblöcke, die entweder zu Tal stürzten oder sich in Form von großflächigen Blockschutthalden ablagerten. Starke Winde schliffen die Buntsandsteinhalden an der Oberfläche ab und formten den Bergücken. Die nach der Eiszeit abgelagerte flachgründige Humusauflage rundete letztendlich die Hochfläche zu ihrem heutigen Erscheinungsbild ab.

Vor dem Bau der Schwarzwaldhochstraße (B 500), galt die Region als sehr einsam und urwüchsig. Nur während des Sommers als Bergweide genutzt, blieben die Wald- und Heideflächen in den übrigen Jahreszeiten vom Menschen nahezu unberührt. Um neues Weideland zu gewinnen, wurden ab dem 15. Jh. immer größere Herden von Rindern, Schafen und Ziegen aus den engen Tallagen auf die Hochebene des Schliffkopfs getrieben. Die starke Beweidung der flachgründigen Böden führte zu massivem Nährstoffentzug und Bodenverdichtung. Infolge dieser Landschaftsschädigung versauerten die nährstoff- und kalkarmen Oberböden. Dies führte im Laufe der Zeit zu Staunässe und Moorbildung. So entstanden die heute noch sichtbaren Grinden - baumfreie, feuchte Heideflächen, die stellenweise nur mit Bergkiefern (Pinus mugo) oder Fichten durchsetzt sind. Mit Einführung der Stallhaltung im 20. Jh. endete die intensive Beweidung. Um den Baumbewuchs weiterhin zu unterbinden, wurden nun die Schliffkopfflächen zur Gewinnung von Heu bis in in die 1960er Jahre regelmäßig gemäht.

Die touristische Erschließung durch Wanderer und Ausflügler beginnt schubweise ab dem 19. Jh. zunächst nur in den Sommermonaten. Mit dem Aufkommen des Skisports auch während des Winters. Durch den Bau der Schwarzwaldhochstraße von Iffezheim bis Freudenstadt erreicht der Tourismus im Nordschwarzwald ab den 1940er Jahren eine neue Dimension. Die einstige Abgeschiedenheit dieser Schwarzwaldlandschaft geht damit zu Ende. Das attraktive Gelände wird nun ganzjährig durch den Tourismus intensiv genutzt.

Um die Grinden zu erhalten, wurde in den 60er Jahren die sogenannte Schliffkopf-Aktion ins Leben gerufen sowie vor einigen Jahren der Hornisgrindepflegetag. Freiwillige Helfer von Bergwacht, Schwarzwaldverein und anderen Naturschutzvereinen gehen unter Anleitung von Fachleuten daran, die Grinden mechanisch offenzuhalten. Mit Astscheren, Äxten und Motorsägen werden aufkommende Fichten und Laubholzaufwuchs entfernt und aus den Flächen gezogen. Unrat und Hinterlassenschaften andersartiger Nutzung wie z.B. militärische Altlasten auf der Hornisgrinde werden entfernt. Dazu werden viele arbeitswillige Hände gebraucht.