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NSG Hockenheimer Rheinbogen
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Hockenheimer Rheinbogen
Rheinbogen am Speyerer Grün, Kiesbänke am rechten Rheinufer
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Bild: Rheinufer bei Speyer, Kiesflächen  (Rhein-Neckar-Kreis)
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Ausgedehnte Kiesflächen am Hockenheimer Rheinbogen an der Gemarkung "Speyerer Grün" unterhalb der B 39. Am gegenüberliegenden Ufer liegt Speyer mit seinem Hafengelände (Aufn. Oktober 2010).

Die Stadt Speyer verlor ihre rechtsrheinischen Gemarkungsteile, darunter auch die Markung "Speyerer Grün", im Zuge der napoleonischen Kriege, genauer gesagt 1801 durch den Frieden von Lunéville, in dessen Rahmen das linke Rheinufer endgültig an Frankreich abgetreten werden musste. Speyer selbst war schon 1797 an Frankreich gefallen, seine rechtsrheinischen Gemarkungsteile fielen 1801 erst an Hockenheim und danach 1807 an Altlußheim (Baden).

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NSG Hockenheimer Rheinbogen

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Naturschutzgebiet Hockenheimer Rheinbogen

 
Bild: Hockenheimer Rheinbogen, Karte
Rheinkorrektion, Angelhofer Durchschnitt bei Ketsch (1826/27)
(© GLA Karlsruhe)

Für die Rheinbegradigung bei Ketsch wurden die Flächen Spitzwiesen/ Herrenteich bis zum Pfälzer Wörth in einer Linie durchstoßen (s. Karte, nicht genordet!). Für den sog. Durchschnitt grub man zunächst eine Verbindung von ca. 10 m Breite zwischen Beginn und Ende der Angelhofer Rheinschlinge. Für die Verbreiterung sollte dann der Rhein im Laufe der Zeit selbst sorgen - was wohl nicht immer so einfach funktionierte.

Gleichzeitig wurden am Ufer Landgewinnungs- und Entwässerungsmaßnahmen durchgeführt sowie das Hochwasserdammsystem erneuert. Die ursprüngliche bogenförmige Rheinschlinge um die Halbinsel Angelwald entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Altarm mit herabgesetzter Fließgeschwindigkeit. Die stillgelegten Gewässerflächen dienten zunächst dem Abbau von Kies, heute dominieren hier Freizeit und Naherholung (Camping, Wassersport).


Literatur

Norbert Rösch: Die Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla. In: zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, Heft 4/2009, S. 242–248, Wißner-Verlag, Augsburg 2009, ISSN 1618-8950

 
Bild: Hockenheimer Rheinbogen (Rhein-Neckar-Kreis)
Heutiger Verlauf des Rheins in Höhe Angelhof (Januar 2011)
(© privat, Autor: M. Linnenbach)

Der Rhein in Höhe Angelhof/ Angelwald. Der mäandrierende Verlauf des Stroms wurde hier im Rahmen der Rheinkorrektion 1826/27 durch den badischen Ingenieur Johann Gottfried Tulla begradigt ("Angelhofer Durchschnitt") und danach neu eingedeicht. Die Gemarkung Angelwald wurde anschließend pfälzisch.

 
Bild: Hockenheimer Rheinbogen, Speyerer Grün
Hockenheimer Rheinbogen Silberweiden-Auwald (Aufn. Juni 2014)
(© M. Linnenbach)

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Hockenheimer Rheinbogen" umfaßt die gesamte Rheinniederung, die sich zwischen Altlußheim, Hockenheim, Ketsch und dem Neurhein erstreckt. Das Gebiet liegt in der naturräumlichen Einheit Nördliche Oberrheinniederung. Die Schutzgebietsfläche setzt sich aus einem Mosaik von 30 Teilflächen (Naturschutzgebiete) zusammen (s. Karte des Gebiets). Insgesamt besitzen sie eine Größe von etwa 656 ha. Das Gebiet wird im Westen vom Rhein begrenzt, im Norden von der Kreisstraße 4250, im Osten vom Kraichbach, vom Hochufer der früheren Rheinmäander (dem Hochgestade) und von der Bundesstraße 36, im Süden vom Hochgestade und der Bundesstraße 39 sowie dem Ortsrand von Altlußheim.

Hydrologisch gesehen, lassen sich im Grundwasserspiegel die Rheinniederungsverhältnisse gut nachvollziehen. Durch den Aufstau von heranströmendem Grundwasser werden bei Rheinhochwässern grundwassernahe Senken immer wieder über längere Zeiträume überflutet (z. B. Ketscher Au, Speyerer Grün, Herrenteich). Die ursprüngliche Gewässerdynamik am Hockenheimer Rheinbogen ist mit der Rheinkorrektion Angelhofer Durchschnitt (1826/27) auf einen Randstreifen von ca. 150 m beschränkt. Die heute vorhandenen Flächen weisen noch viele naturnahe Strukturen auf: Altarme, Rinnen, Senken, Schluten, Verlandungsbereiche, Schilfröhrichte, Seggenriede, Silberweidenwald, Erlenbruch. Weite Feldfluren mit Streuobst und Hochstauden bestimmen das Landschaftsbild. Darin eingestreut sind ausgedehnte Wiesenflächen. Jenseits des Haupthochwasserdammes erstreckt sich die Altaue, die vom vielfach gebuchteten Hochgestade begrenzt wird.

Das Klima vorort kann als trocken-warm bezeichnet werden. Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen betragen etwa 620 mm. Die mittlere Julitemperatur liegt bei 19,1° C, die mittlere Jahrestemperatur bei 9,8° C. Hinter den windgeschützten Hochwasserdämmen (z. B. Im Grün, Speyerer Grün) erreichen die Temperaturen an sonnigen Tagen bereits im April und Mai die 30° C und mehr. Retentionsräume sowie angrenzende Stillgewässer entwickeln sich dann zu idealen Brutstätten von Stechmückenlarven.

Seit 2001 gehört der Hockenheimer Rheinbogen zum Natura 2000-Gebiet "Rheinniederung zwischen Mannheim und Philippsburg" (Gebietsnr.: 6617301). Auf der rheinland-pfälzischen Rheinseite grenzt unmittelbar das Natura 2000 Gebiet "Rheinniederung Speyer - Ludwigshafen" (Gebietsnr. 6616-304) an das Schutzgebiet an. Seit einiger Zeit laufen Bemühungen, auch das seit mehreren Jahren stillgelegte Betriebsgelände (MVG, ehemaliges Tonwerk) am Herrenteich in den Schutzgebietskomplex zu integrieren.

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