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NSG Hockenheimer Rheinbogen
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Fauna
Hecht (Esox lucius) im Kothlachgraben bei Hockenheim
(Element 1 von 45: Bild)
Bild: Hecht, Hockenheimer Rheinbogen
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Im Rahmen einer Fischbestandsaufnahme gefangener Hecht aus dem Kothlachgraben. Bei größeren Hochwasserereignissen des Rheins dringen immer wieder größere Fische in die relativ kleinen Gräben des Hockenheimer Rheinbogens ein (Aufn. Sept. 2011).

NSG Hockenheimer Rheinbogen:
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NSG Hockenheimer Rheinbogen: Pflanzen- und Tierwelt

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Hockenheimer Rheinbogen, Pflanzen und Tiere

 
Bild: Binsen-Schmiele
Binsen-Schmiele (Deschampsia media)
(© Autor: O. Angerer)

Schmielen (Deschampsia) sind eine Gattung der Süßgräser (Poaceae). Die seltene Binsen-Schmiele ist in Baden-Württemberg Vom Aussterben bedroht.

Rote Liste Baden-Württemberg Kategorie 1, Vom Aussterben bedroht


Literaturhinweis

Breunig,T. & Demuth, S. (1999): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Baden-Württembergs (Hrsg. LfU), 161 S.

 
Bild: Niedriges Veilchen
Niedriges Veilchen (Viola pumila)
(© LUBW, Autor: P.Thomas)
 
Bild: Blaukehlchen
Blaukehlchen (Luscinia svecica) auf der Singwarte
(© LUBW, Autor: T. Dove)

Blaukehlchen (Luscinia svecica) sind tag- und dämmerungsaktiv. Sie jagen bevorzugt im Uferbereich von Stillgewässern oder auf extensiv genutzten Feuchtwiesen nach Insekten. Sie nisten versteckt, meist nahe am Wasser. Im NSG Hockenheimer Rheinbogen brüten die attraktiven Vögel im Bereich der ehemaligen Tongruben.

 
Bild: Dreikantmuschel auf Flussmuschel
Dreikantmuscheln (Dreissena polymorpha) (links) angeheftet auf einer Flussmuschel (Unio tumidus)
(© M. Linnenbach)

Die Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha) - deutsche Synonyme: Wandermuschel oder Zebra-Muschel - ist eine sessile (festsitzende) Muschelart, die sich mit Byssusfäden (erhärtende Sekretfäden aus einer Schleimdrüse) in Kolonien an harten Substraten wie Felsen oder Schiffsrümpfe,  häufig auch an Wasserpflanzen und Großmuscheln anheftet. Charakteristisch ist ihre dreikantige, kahnartige Form. Sie erreichen eine Länge von 26 - 40 mm bei einer Breite von 17 - 20 mm. Der sehr stark hervortretende Wirbel bildet die vorderste Spitze der Muschel. Die Schale ist fest und ungleichmäßig gebuchtet. Die Schalenhälfte sind unten seitlich mit einer vom Wirbel zum Hinterende verlaufenden Kante versehen. Die Schalen sind meist dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Schalen jüngerer Tiere haben eine individuell sehr unterschiedliche Zeichnung (oft Zickzackmuster). Dreissena polymorha bevorzugt größere Gewässer wie Flüsse, Kanäle und Seen.

 

 

Im Hockenheimer Rheinbogen leben artenreiche Wasserpflanzen- und Verlandungsgesellschaften in Gräben, Kanälen, Seen und feuchten Stauwasserbereichen. Dichte Röhrichtflächen ziehen sich hauptsächlich entlang der Rinnen und Schluten und bilden in den ehemaligen Tongruben großflächige Komplexe aus. Zahlreiche Einzelarten seltener und gefährdeter Pflanzen ergänzen die Vielfalt der Lebensgemeinschaften u. a. Dänischer Tragant (Astragalus danicus), Niedriges Veilchen (Viola pumila), Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), Sumpfwolfsmilch (Euphorbia palustris) sowie die seltene Binsen-Schmiele (Deschampsia media).

In den Druckwasserbiotopen finden sich Zyperngrasgesellschaften und Zwergbinsenfluren. Im Gegensatz zu anderen Pflanzengesellschaften, die sich auf wechselnassen Böden einstellen können, sind die Zwergbinsen-Gesellschaften auch in der Naturlandschaft vorhanden und für die Oberrheinebene charakteristisch.

Größere Waldflächen befinden sich hauptsächlich in der Überschwemmungsaue sowie im Bereich der Randsenke vor dem Hochgestade. Neben Beständen naturnaher Silberweiden-Wälder und Eichen-Ulmen-Wälder sowie Erlenbruchwälder im Randsenkenbereich ist der Großteil der Flächen mit Pappeln bestockt

Betrachtet man die verschiedenen Tierartengruppen, so läßt sich sagen, daß der „Hockenheimer Rheinbogen" für zahlreiche Insekten-, Amphibien- und Vogelarten auch heute noch geeignete Lebensräume bietet. Das naturräumliche Potential ermöglicht es, einer durch eine Vielzahl unterschiedlicher Ansprüche gekennzeichneten Tierwelt, Brut-, Rast-, Nahrungs- und Rückzugshabitate zu finden. Dabei dominieren Arten feuchter Lebensräume.

Im Schutzgebiet wurden insgesamt 138 Insekten-, 10 Amphibien- und 106 Brutvogelarten bislang beobachtet. Davon ist ein erheblicher Anteil in der „Roten Liste" erfaßt. Vor allem für bestimmte Vogelarten kommt dem Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Hockenheimer Rheinbogen" weit über die lokale Wirkung hinausreichende Bedeutung zu. So besitzen die Fluren des Insultheimer Hofes und der Ketschau als Überwinterungsgebiet der Saatgans (Anser fabalis) internationale Bedeutung. Die Niederungsgebiete sind als Brutplatz für Wiesenvögel von überregionaler Bedeutung. Ebenso die aufgelassenen Tongruben, die außer einem Vorkommen des Blaukehlchens (Luscinia svecica) weitere bedeutende Brutvogelarten beherbergen (EU-Vogelschutzgebiet 6617-441).

Von regionaler Bedeutung sind:

Zwergtaucher (Podiceps ruficollis)
Haubentaucher (Podiceps cristatus)
Schwarzmilan (Milvus migrans)
Kiebitz (Vanellus vanellus)
Wendehals (Jynx torquilla)
Schafstelze (Motacilla flava)
Pirol (Oriolus oriolus)
Weißstorch (Ciconia ciconia)

Von überregionaler Bedeutung sind:

Zwergdommel (Ixobrychus minutus)
Rohrweihe (Circus aeruginosus)
Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
Braunkehlchen (Saxicola rubetra),
Blaukehlchen (Luscinia svecica
Grauammer (Emberiza calandra)
Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris)

 

Ein Gebiet von der flächenhaften Ausdehnung wie der Hockenheimer Rheinbogen, läßt sich nur durch ein einheitliches, koordiniertes Management nachhaltig sichern. Dem Schutzkonzept liegt dabei eine Betrachtungsweise zugrunde, die die einzelnen Schutzgebiete nicht nur als Lebensraum für Pflanzen und Tiere erhalten will, sondern auch deren isolierte Lage durch Übergangsbereiche aufzuheben sucht (strukturelle Biotopvernetzung). Dies leitet über zur differenzierten Betrachtung von Verboten, je nach Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit einzelner Teilgebiete; diese Maßnahmen sollen den Rahmen des Schutzkonzeptes abstecken. Jede menschliche Anwesenheit zur Brut- und Vegetationszeit führt in diesen Gebieten, die vorwiegend größere Röhrichtbestände aufweisen, durch Wege nicht erschlossen und damit allgemein nicht betreten werden dürfen, zu einer Beeinträchtigung des Schutzzwecks.

Zum nachhaltigen Schutz der überwinternden Wildgänse vor Bejagung und Störungen ist das gesamte Natur- und Landschaftsschutzgebiet als Wildschutzgebiet ausgewiesen (die jagdlichen Regelungen einschließlich Wildschutzgebiet sind in einer separaten Würdigung eingehend begründet). Die Regelungen für die Forstwirtschaft sollen neben der bisherigen Waldnutzung garantieren, daß sich die kleineren, sekundären Waldbestände ungestört entwickeln können. Wichtig erscheint dies insbesondere für den Erlenbruchwald im Naturschutzgebiet „Marlach", einem Niedermoor (Kalkflachmoor) in dem früher Torf gestochen wurde.

Die Einschränkungen der landwirtschaftlichen Nutzung beinhalten neben den bereits üblichen Festsetzungen wie Verbot des Grünlandumbruches sowie der Verwendung von Pflanzenbehandlungsmitteln auf Grünland detaillierte Regelungen für die größeren Wiesengebiete im Hockenheimer Rheinbogen (Naturschutzgebiete „Carl-Ludwig-See", Silzwiesen, Maximilianswiesen, Bachwiesen und Leopoldswiesen), die als Wiesenbiotope heute noch durch ihre Ausdehnung und Struktur von besonderer Bedeutung sind.

Übersicht:

1 Hockenheimer Rheinbogen, Pflanzen und Tiere