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Flugsanddünen Niederwald
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Sanddünen Niederwald
Dünenlandschaft bei Sandweier (Baden-Baden)
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Bild: Dünen bei Sandweier, (Baden-Baden)
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Steppen-Kiefernwald (Pinus sylvestris) und lückiger Sandrasen im Frühjahr 2011.

Flugsanddünen Niederwald:
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Übersicht

Flugsanddünen Niederwald

 

Dünenwälder und Sandrasen bei Sandweier (Baden-Baden)

 
Bild: Dünen bei Sandweier und Iffezheim
Sandrasen und Dünenwälder bei Sandweier und Iffezheim (Baden-Baden)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Steppen-Kiefernwald und Trockenrasenflächen bei Sandweier im Frühjahr 2011. Die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) ist der Charakterbaum (Leitart) der baden-württembergischen Flugsandgebiete.

 
Bild: Ziegen
Ziegen halten die Flächen offen
(© RP Karlsruhe, Autor: RP Ka)

Zur Bewirtschaftung der weitläufigen Flächen und um zu verhindern, dass der Magerrasen von Bäumen überwuchert wird, hat der Baden-Airpark einen Ziegenhirten engagiert. Seine Tiere dürfen mehrmals im Jahr frei herumlaufen und geländeschonend die Flora flach halten.

Die Sanddünen Niederwald sind neben den Sandhausener Dünen mit die bedeutensten Sandfluren in Baden-Württemberg. Am Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 10.000 Jahren, transportierte der damals noch weitverzweige Rheinstrom gewaltige Gesteinsmassen mit dem Abschmelzen der Eismassen in die Oberrheinebene. Bedingt durch die Klimaerwärmung der Nacheiszeit, wurden die riesigen Schotterflächen im Laufe der Zeit kontinuierlich von starken Winden überweht. Es entstanden heftige Staub- und Sandstürme, die aufgewirbelten Partikel lagerten sich an anderer Stelle wieder als Flugsanddünen in der Rheinebene ab.

Am Mittleren Oberrhein zwischen Iffezheim und Sandweier bildeten sich in dieser Zeit bis zu 20 m hohe Dünenzüge, die zweithöchsten Baden-Württembergs. Die Böden sind sandig-kiesig, meist bis über einen Meter tief entkalkt und von sehr geringem Wasserhaltevermögen. Daraus entwickelten sich podsolierte Braunerden, bei höherem Tonanteil auch die typischen Parabraunerden. Der Grundwasserspiegel liegt stellenweise mit über 5 Metern sehr tief und trägt zu den trockenen Lebensbedingungen bei.

Im 19. Jh. wurden die quarzhaltigen Dünensande großflächig abgebaut und mit der Eisenbahn zur Glashütte nach Achern transportiert. Weitere Nutzung fand durch Beweidung statt. Damit blieben die Dünenflächen überwiegend als offene Landschaft erhalten. Ab 1909 diente das Gelände als Truppenübungsplatz, der von 1954 bis 1999 durch französische Streitkräfte (ehem. militärische Besatzung) übernommen wurde. Nach dem Abzug der Franzosen werden die Dünen wieder beweidet, um die Sandrasen offen zu halten.

Heute entfernt die Naturschutzverwaltung im Rahmen von Pflegemaßnahmen gezielt Gehölze und dichte Bestände von Neophyten (z.B. Goldrute). Lückige und sich regenerierende Besenginster- und Brombeer-Gebüsche kommen auf größeren Flächen der mit Ziegen und Schafen beweideten Sandrasen und an den Waldrändern vor. Sie sind vor allem für die Insektenfauna von großer Bedeutung.

Im Gebiet finden sich 47 Brutvogelarten. Besonders bedeutend sind die Vorkommen der Heidelerche, des Schwarzkehlchens, des Neuntöters, des Bluthänflings sowie der Dorngrasmücke. Auch die Feldlerche ist hier noch häufig. Wälder und Waldränder werden charakterisiert durch Kleinspecht, Mittelspecht, Schwarzspecht, Wendehals und Hohltaube.

Seit 1984 sind die Sanddünen Niederwald als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Sie sind Teilfläche des FFH-Gebiets "Magerrasen und Wälder zwischen Sandweier und Stollhofen" (Gebietsnr.: 7214343). Die Dünenflächen sind mit Ausnahme des Deponiegeländes frei zugänglich.

Am 23. November 2011 überreicht Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner die Verordnung des neuen Naturschutzgebiets „Sandheiden und Dünen bei Sandweier und Iffezheim“ an Baden-Badens Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner und den Iffezheimer Bürgermeister Peter Werler. Es ist damit das 219. Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Karlsruhe. Neu gestaltet und in das Schutzgebiet aufgenommen wurde der Rand des Kühlsees. Die Ausgleichsfläche für Eingriffe in die Natur an anderer Stelle bietet nicht nur Sandrasen und seltenen Heuschrecken Lebensraum, sondern ist auch für den Flussregenpfeifer sowie andere Wasservögel attraktiv gestaltet. Die Würdigung sowie Verordnung zum Naturschutzgebiet findet sich im dazugehörigen Schutzgebietssteckbrief.