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Aufschluss Heinrich-Ebner-Straße, Bad Cannstatt
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Naturdenkmal Heinrich-Ebner-Straße, Bad Cannstatt
Erdgeschichtlicher Aufschluss in der Heinrich-Ebner-Straße
(Element 1 von 5: Bild)
Bild: Heinrich-Ebner-Strasse02
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Der geologische Aufschluss zeigt von unten nach oben geschichtete quartäre Ablagerungen von Neckarkies, Auenlehm, Travertin und Löss.

Aufschluss Heinrich-Ebner-Straße, Bad Cannstatt:
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Übersicht

Aufschluss Heinrich-Ebner-Straße, Bad Cannstatt

 

Naturdenkmal Heinrich-Ebner-Straße, Bad Cannstatt

 
Bild: Heinrich-Ebner-Strasse05
Naturdenkmal Heinrich-Ebner-Straße, Bad Cannstatt
(© M. Linnenbach)

Bei Straßenarbeiten für den Bau der Ganzhornstraße (heutige Heinrich-Ebner-Straße) zwischen 1926 und 1930 wurden in Bad Cannstatt zahlreiche Überreste aus der jungpleistozänen Tierwelt geborgen. Darunter auch Knochen von Wollnashorn, Mammut und Höhlenbär aus der Würm-Eiszeit. Das heute als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesene Geotop liegt im Stadtviertel des Veielbrunnens, der bekannten Cannstatter Mineralquelle.

 
Bild: Heinrich-Ebner-StrasseTafel 02
Geologische Schichtenfolge, Infotafel
(© Stadt Stuttgart)
 
Bild: Veielbrunnen, Stuttgart
Veielbrunnenquelle, Bad Cannstatt
(© M Linnenbach)

Das Cannstatter Mineralwasser am Veielbrunnen entspringt aus den Klüften des Oberen Muschelkalks, der hier in etwa 30 m Tiefe ansteht. Die öffentlich zugängliche Brunnenanlage wurde 1954 aus Stuttgarter Travertin erbaut. Sie ist heute Bestandteil des Geologischen Lehrpfads von Bad Cannstatt und Münster (hier: Station 1).

Bei Straßenarbeiten für den Bau der Ganzhornstraße (heutige Heinrich-Ebner-Straße *) zwischen 1926 und 1930 wurden in Bad Cannstatt zahlreiche Überreste aus der jungpleistozänen Tierwelt geborgen. Darunter auch Knochen von Wollnashorn, Mammut und Höhlenbär aus der Würm-Eiszeit. Das heute als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesene Geotop liegt im Stadtviertel Veielbrunnen, benannt nach der bekannten Cannstatter Mineralquelle. Der Aufschluss zeigt von unten nach oben geschichtete quartäre Ablagerungen von Neckarkies, Auenlehm, Travertin und Löss. Er ist Bestandteil des Geologischen Lehrpfads von Bad Cannstatt und Münster (hier: Station 2). Mehrere Infotafeln vorort informieren den Besucher ausführlich über Entstehung und Geschichte.

Unweit des Naturdenkmals befand sich im 19. Jh. eine Lösslehmgrube (Leimengrube). Bereits im Oktober 1816 entdeckte dort der Lehrer Georg Memminger 13 Elefantenstoßzähne sowie acht große Backenzähne. Von der Entdeckung benachrichtigt, eilte auch König Friedrich I. an den Fundort und ordnete die vollständige Ausgrabung der Fossilien an, die er persönlich überwachte. Aufgrund der nasskalten Witterung, die an diesem Tag herrschte, zog sich der Monarch dabei eine schwere Lungenentzündung zu, an der er am 30.10.1816 verstarb.

Zu dieser Zeit besaß man noch keine  ausreichenden naturwissenschaftlichen Kenntnisse darüber, woher die Fossilien eigentlich stammen und wie sich ihre ungewöhnliche Ansammlung im Boden erklärt. Einige Gelehrte glaubten, sie seien durch die Sintflut dort angespült und angehäuft worden. Der später im Schloss Rosenstein eingelagerte archäologische Fundkomplex, der möglicherweise auch menschliche Überreste enthielt, ging im September 1944 bei einem Bombenangriff verloren. Eine fundierte wissenschaftliche Untersuchung der Knochen fand bis dato nicht statt. Da die Fossilien unter einer Lösslage entdeckt wurden, läßt sich lediglich daraus schließen, dass diese Funde aus der Würmeiszeit stammen könnten. Nachgrabungen sind nicht mehr möglich. Auf dem Gelände steht heute ein Kindergarten.


* Der Orthopäde Dr. Heinrich Ebner (1829 - 1878) war maßgeblich an der Entwicklung Cannstatts als Kur- und Heilbäderstadt beteiligt.