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Römisches Kohortenkastell am Neckar-Odenwald-Limes
Reste des Limes-Kastell bei Neckarburken (Neckar-Odenwald-Kreis)
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Bild: Limes-Kastell, Neckarburken,  Neckar-Odenwald-Kreis
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Römerkastelle Neckarburken:
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Übersicht

Römerkastelle Neckarburken

 

Limes-Kastell und Römerbad im Elztal bei Neckarburken

 
Bild: Limes-Kastelle Neckarburken, Neckar-Odenwald-Kreis
Fundamente des Militärbads an der B 27 (Aufn. 2014)
(© M. Linnenbach)

Limes-Kastell Neckarburken (ausgegraben 1974 - 1976). Reste des römischen Militärbads, weitere Bauwerke befinden sich unter der Straße (Aufn. 2014). Die Aufgabe eines römischen Heeres bestand nicht allein in der Eroberung neuer Provinzen. Im Zuge der Eroberung sorgte das Militär auch für eine funktionierende Infrastruktur, bestehend aus Kastellen und Kastellbädern, Straßen, Brücken u. v. m.

 
Bild: Limes-Kastelle Neckarburken, Neckar-Odenwald-Kreis
Römisches Militärbad, Grundmauern der Vorhalle
(© M. Linnenbach)

Grundmauern der Vorhalle gefertigt aus Buntsandsteinblöcken.

Das Elztal, im Neckar-Odenwald-Kreis, liegt an der Naturraumgrenze zwischen dem Hinterem Odenwald und dem Bauland. Im Süden des Tals steht noch Oberer Buntsandstein an, der im Norden und Osten vom Muschelkalk des Baulands abgelöst bzw. überlagert wird. Seine enorme Mächtigkeit zeigt das Kalkgestein insbesondere im Steinbruch bei Dallau.

Die römische Besetzung des Elztals verlief um das Jahr 85 n. Chr. Die versumpfte, unbewohnte Talaue der Elz war vermutlich der Grund für die Errichtung des Limes aus Palisaden und Wachtürmen. Verlauf und Ausprägung des militärischen Schutzwalls orientierten sich dabei an der topografischen Situation, quasi entlang des Hochufers der Elz. Noch heute zeigt die Straßenführung der B 27 die einstige Linie des Limes bei Neckarburken an (s. Kartenansicht). Bereits zur Zeit der Römer verband eine Straße die Siedlungen bei Heidelberg-Neuenheim, Obrigheim, Neckarburken und Osterburken miteinander.

Um die Grenze am Elzbach zu überwachen, errichteten die Römer auf Höhe des heutigen Neckarburken zwei steinerne Kastelle sowie ein Militärbad. Von welcher Kohorte die Bauwerke erbaut wurden, ist nicht bekannt. Für die spätere Zeit ist eine Belegung der militärischen Anlagen durch eine Kohorte III aus Aquitanien* erwähnt. Das für die Bauarbeiten erforderliche Material besorgten sich die römischen  Erbauer direkt aus der näheren Umgebung. Geologische Hinweise belegen einen ehemaligen Buntsandstein-Steinbruch an der Elz, in unmittelbarer Umgebung der heutigen Strasse "In den Gärten".

Das Ostkastell (syn. Numeruskastell) war geradlinig auf den Grenzwall ausgerichtet. Sein Haupttor auf der Ostseite besaß eine doppelte Durchfahrt für Fuhrwerke und Streitwagen. Die abgerundeten Ecken waren mit Türmen bewehrt. Etwa 50 m davon entfernt befinden sich die Anlagen des Militärbads, dessen Überreste noch heute sichtbar sind. Erhalten geblieben sind die Grundmauern der Vorhalle und des Kaltbadebeckens. Sie wurden nach ihrer Entdeckung 1892  etwa 80 Jahre später (1974 bis 1976) durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg freigelegt. Weitere Gebäudeteile wie z. B. das Warmwasserbecken ruhen unter der B 27.

Das Westkastell mit Kommandantur und Unterkünften ist durch die Ortslage Neckarburken weitgehend überbaut bzw. zerstört, so dass keine Spuren im Gelände mehr sichtbar sind. Das rechteckige Kastell besaß eine Größe von etwa 20.800 m2. Es war von einem etwa 5 m breiten und 1,60 m tiefen Graben umgeben. Im hielt sich überwiegend nur militärisches Personal auf, der zivile römische Bevölkerungsanteil im Odenwald war (wohl klimabedingt) gering. Um das Jahr 160 n. Chr. gaben die Römer den Neckar-Odenwald-Limes sukzessive auf und bezogen eine neue, von Miltenberg über Walldürn und Osterburken nach Süden verlaufende Grenzlinie. Zurück blieben eine Fülle von Bodendenkmälern, die uns heute von der einstigen römischen Besiedelung berichten. Auf die Römer folgten um 260 n. Chr. zunächst die Alemannen und ab 497 n. Chr. die Franken.

Hinweise für Besucher: Die römischen Anlagen bei Neckarburken sind öffentlich und kostenlos zugänglich, Entstehung und Historie werden vor Ort auf mehreren Informationstafeln ausführlich erläutert. Weitere Limes-Kastelle im Odenwald finden sich bei Robern, Mudau-Schloßau und Mudau-Oberscheidental.


* Zur Zeit der römischen Eroberung durch Julius Caesar (De Bello Gallico) wurde die Region südlich der Garonne (lat.: Garuna) als Aquitanien bezeichnet.