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NSG, LSG Füllmenbacher Hofberg
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NSG Füllmenbacher Hofberg
Der Hauptweg im Nordosten führt unmittelbar ins Schutzgebiet
(Element 1 von 23: Bild)
Bild: Füllmenbacher Hofberg, Enzkreis, Weg
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Der Hauptweg im Nordosten des Weilers (Aufn. 2014).

NSG, LSG Füllmenbacher Hofberg:
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Übersicht

NSG, LSG Füllmenbacher Hofberg

 

Natur- und Landschaftsschutzgebiet Füllmenbacher Hofberg (Enzkreis)

 
Bild: Rodungsinsel Füllmenbacher Hof, Herbst
Rodungsinsel Füllmenbacher Hof (Enzkreis)
(© M. Linnenbach)

Rodungsinsel Füllmenbacher Hof im westlichen Stromberg. Dahinter erhebt sich der bewaldete Diefenbacher Mettenberg (NSG seit 1979). Die Liegenschaften waren früher im Besitz des Klosters Maulbronn (Aufn. Herbst 2014).

 
Bild: NSG Füllmenbacher Hofberg, Enzkreis
Blick über das Gehöft auf das strukturreiche NSG Füllmenbacher Hofberg
(© M. Linnenbach)

Der strukturreiche Bergsporn des Häuslesbergs zeigt auf der linken Seite noch intakte Weinbergsflächen, im Gegensatz zur rechten Seite. Hier finden sich neben Streuobst dichte Heckenzüge, die in ihren Lücken Halbtrockenrasen aufweisen. Die gesamte waldfreie Umgebung des Füllmenbacher Hofes, einschließlich des Gehöftes, sind in das Schutzgebiet mit einbezogen (Aufn. 2014).

 

 
Bild: NSG Füllmenbacher Hofberg, Weinbau
Aufgegebener Weinbau in Steillage
(© M. Linnenbach)

Noch heute zeigen sich im Schutzgebiet zahlreiche Relikte der ehemaligen Weinbergnutzung.

Auf der Gemarkung Diefenbach der Gemeinde Sternenfels liegt inmitten ausgedehnter Waldungen die Rodungsinsel "Füllmenbacher Hof". Das Gehöft, das auf eine Gründung durch das Kloster Maulbronn zurückgeht, wird im Jahr 1152 erstmals urkundlich erwähnt. Es lässt sich heute nicht mehr feststellen, wie lange das Kloster den Hof bewirtschaftete. Bekannt ist lediglich, dass die Anzahl der Laienbrüder, die den überwiegenden Anteil der Arbeitskräfte ausmachten, im 13. Jh. deutlich zurückgingen.

Der das Tal durchfließende Streitenbach, ein Zufluß der Metter, bestimmt hier maßgeblich das Landschaftsbild (s. Karte). Insbesondere die Höhenzüge des Strombergs lösten sich infolge der Erosionskraft des nacheiszeitlichen Fließgewässers in mehrere Einzelberge auf, von denen der Mettenberg, der Gleichenberg, der Endberg und der Gausberg westlich und südlich des Füllmenbacher Hofes die auffälligsten sind. Durch die teils linienhafte, größtenteils jedoch flächenhafte Materialausräumung der anstehenden Keuperformationen ergab sich im westlichen Teil der Stromberglandschaft um Sternenfels, Diefenbach, Zaisersweiher und Schützingen eine landschaftliche Vielgestaltigkeit, wie man sie im Stromberg an keiner anderen Stelle und auch weit darüber hinaus nicht findet.

Die im Mittelalter freigelegte Rodungsinsel ist ca. zwei Kilometer lang (Hauptrichtung Nordwest-Südost, in Laufrichtung des Streitenbachs) und an der breitesten Stelle 750 Meter. Während die Bachaue heute hauptsächlich von Wiesen und die flachen Hanglagen von Weiden geprägt wird, erkennt man im Nordosten des Gehöftes einen steilen Weinberghang unmittelbar am markanten Sporn des Häuslesbergs, der das Landschaftsbild des Schutzgebiets maßgeblich bestimmt.

Bedingt durch die relative Abgeschiedenheit des Weilers sowie durch die enge Verzahnung von Wald, großflächigen Extensivnutzungen, relativ kleinen Intensivnutzungen (Äcker, Weinberge) und brachliegenden Weinbergen, hat sich im Schutzgebiet eine vielgestaltige Tier- und Pflanzenwelt halten können, die einst für weite Teile des Strombergs charakteristisch gewesen sein dürfte.

Auf den nicht bewirtschafteten Flächen hat sich ein Trespen-Halbtrockenrasen gebildet, der reich an unterschiedlichen Orchideenarten ist. In großer Menge trifft man das Purpur-Knabenkraut an, weiterhin finden sich Exemplare des Männlichen Knabenkrautes, des Helm-Knabenkrauts und der geschützten Bocks-Riemenzunge. Der herbstliche Blühaspekt wird durch die lilafarbenen Blütenstände der Kalk-Aster geprägt (s. Bildergalerie). An den Trockenmauern der stillgelegten Weinberge hat sich eine größere Population von Mauereidechsen angesiedelt. Mit etwas Glück begegnet man dort auch der Schlingnatter.

Auch für Schmetterlinge ist der Hofberg ein attraktiver Lebensraum. Insbesondere dienen die Sukzessiosflächen als wichtiger Nahrungslebensraum für zahlreiche Tagfalter und deren Raupen. Der Schwalbenschwanz lebt hier an den Steilhängen im Halbtrockenrasen, wie auch der Silbergrüne Bläuling, der noch häufig den Hofberg bevölkert. Zu den faunistischen Kostbarkeiten des Gebiets zählen Mädesüß-PerlmutterfalterGroßer Schillerfalter und Großer Eisvogel. Das noch in den 1980er Jahren erwähnte Vorkommen des Segelfalters ist wohl erloschen. An Heuschrecken finden sich Westliche Beißschrecke, Verkannter Grashüpfer sowie die Gemeine Sichelschrecke.

Hinweise für Besucher: Durch das Schutzgebiet führen drei empfehlenswerte Wanderungen.

  • vom Heiligenbergsee zum Füllmenbacher Hof: Die am Heiligenbergsee startendende Wanderung führt zu Mammutbäumen und einem Bannwald und erreicht schließlich das Naturschutzgebiet Füllmenbacher Hofberg.
  • von Schützingen Richtung Füllmenbacher Hof: Spannende botanische Wanderung, die zu den Naturschutzgebieten Füllmenbacher Hofberg, Schützinger Spiegel und Diefenbacher Mettenberg führt. Hier kann man insbesondere im späten Frühjahr eine Vielzahl Orchideen entdecken.
  • von Diefenbach zum Füllmenbacher Hof: Die abwechslungsreiche Wanderung führt durch die Streuobstwiesen bei Diefenbach zum Naturschutzgebiet Füllmenbacher Hofberg. Besonderen Reiz entfaltet die Wandertour zur Zeit der Obstbaum- oder etwas später zur Orchideenblüte.
Hinweise für Drachenflieger: Es ist nur eine Veranstaltung mit Drachenfliegern und Gleit­schirmen pro Jahr für einen kleinen Teilnehmer­kreis erlaubt, da die wertvollen Halbtrockenrasen am Bergsporn des Häuslesbergs durch Tritt zu stark belastet würden.