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St. Wendel zum Stein
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St. Wendel zum Stein (Hohenlohekreis)
Mesnerhaus mit Kalktuffhöhlen
(Element 1 von 3: Bild)
Bild: St. Wendel zum Stein, Höhlen
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Hinter dem Mesnerhaus zeigen sich mehrere geräumige Höhlen bzw. Nischen. Schon in der Keltenzeit wurden diese genutzt.

St. Wendel zum Stein:
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St. Wendel zum Stein

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St. Wendel zum Stein bei Dörzbach (Hohenlohekreis)

 
Bild: St. Wendel zum Stein, Hohenlohekreis
Kapelle St. Wendel zum Stein an der Jagst
(© LUBW, Autor: Michael Linnenbach)

Blick über die Jagst auf die Kapelle St. Wendel zum Stein und das Mesnerhaus. Im Hintergrund sind die mächtigen Felswände aus Kalktufff erkennbar. Die Kapelle wurde zwischen 1511 bis 1515 im spätgotischen Stil errichtet. Sie besitzt nur drei Außenwände, die Rückwand bildet der senkrecht anstehende Tuffsteinfelsen. In der Turmstube hängt keine Glocke mehr. Sie wurde während des 2. Weltkriegs eingeschmolzen. Lange Zeit drohte die Kapelle in Vergessenheit zu geraten und zu verfallen. Seit 1997 kümmert sich der Förderverein Sankt-Wendel-Kapelle Dörzbach intensiv um die Pflege und Erhalt des Kulturdenkmals (Aufn. Juli 2014)..

 
Bild: Mesnerhaus von St. Wendel zum Stein
St Wendel zum Stein, Mesnerhaus mit Brunnenanlage
(© public domain)

Das freistehende Mesnerhaus ist seit den 1960er Jahren unbewohnt. Der hinter dem Gebäude sichtbare Höhleneingang diente den Kelten als Grabkammer.

Die zwischen Hohebach und Dörzbach am linken Jagstufer steil aufragende Felswand entstand nacheiszeitlich in den letzten 5.000 Jahren durch Kalkabscheidungen mehrerer Sinterquellen, die hier an der Grenze des Unteren zum Mittleren Muschelkalk entsprungen sind. Auch heute kommt es noch zu Kalktuffbildung und zwar im Bereich des sog.  Kindlesbrunnen*, eine Quelle unterhalb des Mesnerhauses.

Einst war der ca. 30 Meter hohe Kalksinterfelsen noch mächtiger. Das relativ leicht abzubauende Tuffgestein wurde ab dem Mittelalter als Steinbruch genutzt. Viele Bauwerke in Dörzbach zeugen davon. Der Felsen in seiner heutigen Gestalt verdankt seinen Erhalt wohl nur der um das Jahr 1515 errichteten Wallfahrtskapelle St. Wendel. Ursula von Berlichingen, eine Verwandte aus dem bekannten Adelsgeschlecht, stiftete das Kirchengebäude zu Ehren des heiligen St. Wendelin, dem Schutzpatron der Hirten. Es steht auf einem Felsvorsprung (Unterer Muschelkalk) unmittelbar an der vorbeifließenden Jagst. Lange Zeit drohte die Kapelle in Vergessenheit zu geraten und zu verfallen. Seit 1997 kümmert sich der Förderverein Sankt-Wendel-Kapelle Dörzbach intensiv um die Pflege und Erhalt des Kulturdenkmals. Die Kapelle gab auch dem Naturschutzgebiet, das hier 1980 ausgewiesen wurde, seinen Namen.

Archäologische Funde (Ringe, Scherben, Spinnwirtel) aus der Latènezeit (415 bis 15 v. Chr.) belegen, dass der Tufffelsen mit seinen Höhlen ein attraktiver Siedlungsplatz war. Einen Teil der Funde beherbergt heute das Hällisch-Fränkische Keckenburgmuseum in Schwäbisch Hall.

Hinweise für Besucher: Das Geotop mit seinen Höhlen und der angrenzenden Wallfahrtskapelle sind in der vegetationsfreien Zeit vom gegenüberliegenden Parkplatz an der B 19 barrierefrei gut einsehbar (s. Karte des Gebiets).


*) Der einst lebendige Volksglaube an die Herkunft der Kinder aus dem Wasser, war früher weit verbreitet. So wurden in vielen Gegenden zahlreiche Quelltöpfe als "Kindlesbrunnen" bezeichnet.

Literatur (Auswahl)

MATTERN, H. (1988): St. Wendel zum Stein. In: BLICKPUNKTE Baden‑Württemberg. Meyers geographischer Führer zu Naturschönheiten.‑ Hrsg. Geograph.‑Kartograph. Inst. Meyer, 294‑295; Mannheim.

SCHÖTTLE, M. & G. BURGMEIER (2002): Geotope im Regierungsbezirk Stuttgart. - Reihe Bodenschutz der LfU Baden-Württemberg, 12, 348 S.; Karlsruhe.

Übersicht:

1 St. Wendel zum Stein bei Dörzbach (Hohenlohekreis)