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Nördliches Oberrhein-Tiefland
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Schutzgebiete im Nördlichen Oberrhein-Tiefland
Weingartener Moor (Kreis Karlsruhe)
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Bild: Ausschnitt Zentralfläche Weingartener Moor (Luftbild)
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Blick auf den Zentral-Bereich des Weingartener Moores mit der durch den Torfstich entstandenen offenen Wasserfläche. Dieser Teil des Moores ist seit 1940 Naturschutzgebiet.

Landschaften mit großen Niedermoorbildungen wie hier in Weingarten finden sich in Baden-Württemberg noch im Donautal und in den Flusstälern des Voralpen- und Bodenseegebietes. Die Vermoorung geht in diesen Tälern auf unterschiedliche Ursachen zurück, die je nach Standort und Mineralgehalt des Wassers entweder saure bis basische oder nährstoffarme bis nährstoffreiche Verhältnisse aufweisen.

 

Nördliches Oberrhein-Tiefland:
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Nördliches Oberrhein-Tiefland

 

Nördliches Oberrhein-Tiefland

 
Bild: Blick auf den Hardtwald, Hardtplatten
Hardtplatten bei Linkenheim-Hochstetten (Ldkr. Karlsruhe)
(© privat, Autor: M. Linnenbach)

Naturnaher Hardtwald bei Linkenheim-Hochstetten, hier: Teilfläche des Landschaftsschutzgebiets Karlsruher Hardt. Die Flächen sind geprägt durch eiszeitliche Ablagerungen von Flugsanden und Kiese. Seit dem 17. Jh. bestimmt die Waldkiefer hier das Landschaftsbild. Der Nadelbaum wurde vor allem nach dem 30-jährigen Krieg häufig angepflanzt. Die Kiefer, die keine allzu großen Ansprüche an die Bodenqualität stellt, macht heute fast 70% des Baumbestands im Hardtwald aus.

Ein ganzes Jahrhundert, von 1818 bis 1918, war der Hardtwald in der unmittelbaren Umgebung von Karlsruhe eingezäunt und allein der markgräflichen Jagd vorbehalten.

 
Bild: Binnendüne Hirschacker
Binnendüne Hirschacker (Rhein-Neckar-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Postglazial entstandene Binnendüne bei Mannheim-Friedrichsfeld mit offenen Flugsandflächen, gesäumt von Heidekraut und lückigem Baumbestand.

Die Naturräume Hardtplatten, Nördliche Oberrheinniederung, Neckar- Rheinebene und Bergstraße formen gemeinsan das Nördliche Oberrhein-Tiefland. Die Grundelemente dieser Landschaft bilden vor allem die Niederungen des Rheins sowie deren begleitende Terrassenfluren mit randlichen Hügeln. Eine Ausnahme bildet die Bergstraße. Sie zieht als schmale Vorbergzone des Odenwalds, von Nußloch im Süden bis nach Weinheim im Norden. Landschaftsprägend für die Bergstraße sind tiefgründige Lössböden sowie die großen Steinbrüche im Muschelkalk (bei Leimen und Nußloch) und im Quarzporphyr (bei Weinheim, Schriesheim, Dossenheim).

Die Böden der Nördlichen Oberrheinebene bestehen vorwiegend aus ungleich mächtigen Decken von Auenlehm,  Flugsandflächen und Kiesfluren. In den Überflutungsbereichen des Rheins wachsen dichte Auenwälder mit Weide, Pappel, Erle, Eiche und Ulme. Stellenweise existieren noch ausgedehnte, dichte Schilfröhrichte mit Niedermoorcharakter (z. B. Weingartener Moor, Hockenheimer Rheinbogen, Federbachbruch). Sonst überwiegt Grünland mit wechselfeuchten, kalkhaltigen oder tonigen Böden. Entscheidend für den Charakter dieses Naturraums ist sein überaus mildes Klima.

Die Siedlungen lagen einst auf Kiesrücken und waren vor der Rheinbegradigung überwiegend Jäger- und Fischerdörfer. Riesige Schwärme durchziehender Wat- und Wasservögel sorgten neben den Fischen ganzjährig für gute Lebensgrundlagen.

In diesem vom Menschen nur wenig beeinflussten Zustand war das Ökosystem der Oberrheinaue noch viel stärker von der Dynamik des Rheins beeinflusst. Geschiebetransport und Hochwasser sorgten mit ihrer landschaftsformenden Kraft für ständige Veränderungen und eine Vielfalt an Biotopen und Lebensgemeinschaften. Erst durch die Tulla'sche Oberrheinkorrektion (1817 bis 1880) wurden der in zahlreiche Seitenarme aufgeteilte Strom in einem Hauptbett zusammengefasst, in der Mäanderzone die weiten Flussschlingen durchstochen und damit das Flussbett weitgehend begradigt. Gleichzeitig wurden Landgewinnungs- und Entwässerungsmaßnahmen durchgeführt sowie das Hochwasserdammsystem verbessert.

Aus der einstigen naturnahen Auelandschaft entwickelte sich nun eine in weiten Bereichen naturferne Kulturlandschaft. Zwar verschwanden infolge der Rheinkorrektion die naturnahen, auetypischen Lebensräume nicht völlig. Es kam jedoch auch in den weiterhin überfluteten Bereichen zu einer deutlichen flächenmäßigen Verschiebung zugunsten kulturbedingter Lebensräume, die mit einem Rückgang vor allem der Arten verbunden war, die großräumige Habitatansprüche besitzen oder auf besonders naturnahe Bedingungen angewiesen sind, wie z. B. dem Schwarzstorch (Ciconia nigra) oder dem Fischadler (Pandion haliaetus).

Die zunehmenden Auflandungen nach der Rhein-Korrektion gaben die Möglichkeit zu einem langfristigen Waldaufbau und -umbau. Die bis um 1900 dominierenden Weidenbestände wurden durch Pappeln oder Hartholzarten ersetzt. Aus den Forsteinrichtungswerken im nordbadischen Rheinauewald konnte 1961-1964 ein Pappelanteil von 38 % und ein Anteil der Harthölzer (Eiche, Esche, Ahorn, sonstiges Laubholz) von 45 % ermittelt werden. Die forstliche Betriebsflächen betrugen 1971 zwischen Karlsruhe und Mannheim insgesamt 2.814 ha (58 %) Gemeindewald, 1.830 ha (37 %) Staatswald und 224 ha (5 %) Privatwald.

Weite Teile der Nördlichen Oberrheinebene sind in Form von Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Sonderflächen inzwischen überbaut. Dies betrifft vor allem die Rheinniederung im Raum Karlsruhe (u. a. mit Hafen und Raffineriegelände) sowie im Ballungsraum Mannheim.